Gespräche über Kunst und die Welt - im Podcast der Kunststiftung
00:00:06: Ja, hallo!
00:00:11: Hier ist der Podcast Neuwerk.
00:00:13: Der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und heute zu Gast in Neuberg ist Alina Syranek.
00:00:20: Geboren wurde sie in Polen.
00:00:23: Sie arbeitet aber schon seit vielen Jahren in Deutschland als... Alina wie würdest du dich beschreiben?
00:00:30: Was is deine Profession?
00:00:32: Ich bin Autorin-, Filmmacherin-, Produzentin.
00:00:37: So kurz und knapp.
00:00:39: Du lebst wo?
00:00:41: Ich lebe in Leipzig, habe aber mit meinem Companion mit Falk Schuster, einem Animationskünstler aus Halle eine Produktionsfirma die heißt Hackfilms auch mitsitz hier in Halle.
00:00:52: Hack Video-Umarmung genau sehr schön.
00:00:56: das heißt ich hatte es hier nach Mitteldeutschland verschlagen wie man so schön sagt Wie bist du hier hängen geblieben?
00:01:04: Ich bin schon sehr lange im sogenannten Mitteldeutschland.
00:01:07: Ich habe in Dresden und in Weimar studiert, ich hab am allerersten Jahrgang der PMMC, der Professional Media Masterclass bei Werkleitz, mitgemacht.
00:01:20: Das ist auch meine Verbindung zur Kunststiftung, weil wir damals – das ist jetzt auch schon fünfzehn Jahre her – die Institutionen kennengelernt haben und so die Player hier in Halle und Sachsen-Anhalt sind wurden uns da auch ein bisschen vorgestellt.
00:01:36: Wir waren ja relativ junge Leute, auch einige Quereinsteiger und das war genau also die PMC hat mich sehr geprägt.
00:01:45: Auch mein Schaffen!
00:01:47: Vielleicht erklären wir mal ganz kurz Werkeleitz dass es hier zweihundert Meter Luftliege von der Kunststiftung entfernt eine Medienkunsteinrichtungen, die's schon seit nineteen dreihundneinzig gibt, die mittlerweile glaube ich international fast bekannter ist als hier in Sachsen-Anhalt beispielsweise, in Werkläs gegründet und mit Sitzin Halle schon damals auch.
00:02:13: Und da hast du bei diesem ersten Programm mitgemacht?
00:02:16: Du sagst gerade das hat dich geprägt.
00:02:19: was hast du denn da gemacht?
00:02:20: Erzähl mal von diesen Programmen.
00:02:22: Das dauerte glaube ich so ein Dreivierteljahr und war sehr intensiv.
00:02:26: viele Workshops wir waren eine Gruppe von zehn Leuten vor allem ganz viel Input bekommen von den Dozentinnen und Dozenten.
00:02:35: Und ich habe filmische Werke entdeckt, von denen ich vorher nie gehört habe die ein absoluter Augenöffner für mich waren was Film alles kann auf welchen Ebenen man arbeiten kann welche filmischen Mitteln man nutzen kann.
00:02:50: Ich glaube es findet sich immer wieder auch Ansätze davon in meinen Arbeiten.
00:02:53: Mir
00:02:54: fällt der spontan Krojanakatsu ein.
00:02:56: das ist wahrscheinlich nicht das was dich geprägt hat oder?
00:03:00: Doch, ein Stück weit glaube ich auch.
00:03:03: Ist es eine große Inspiration gewesen oder ist es immer noch?
00:03:07: Vor allem aber auch Arbeiten von John Smith der auch wirklich so heißt Auch viele andere arbeiten die an der Schwelle zwischen Film und Videokunst sich bewegen wo wirklich so Grenzen ausgelotet werden.
00:03:19: Also was ist schon Experimentalfilm?
00:03:22: das kann ja alles mögliche sein.
00:03:24: Es ist nicht unbedingt nur Geflicker, sondern ganz viel anderes für jeden was anderes vor allem einzelne Elemente zu entdecken.
00:03:33: Es sind vielleicht manchmal auch noch Momente oder wie ein Bild und Ton oder wie auch ein Narrativ anders funktionieren kann nicht nur linear also all solche Dinge die man glaube ich in Filmhochschulen lernt aber ich eine nie besucht habe sondern eben die PM&C.
00:03:50: Was ist dir da als Stilmittel am liebsten?
00:03:53: Wir kommen gleich auf die Varianten, auch die in deinen Filmen vorkommen.
00:03:59: Wie du da Medienkunst quasi einfließen lässt oder Möglichkeiten quasi künstlerisch in den Dokumentarfilmen zu arbeiten das Einfließen zu lassen oder dass es auch als Hauptelement zu nutzen je nachdem.
00:04:13: Ich glaube ich benenne das nicht so oder ich grenze das nicht ab sondern das muss für mich schon.
00:04:21: Das ist für mich so das A und O. Und auch was ich mit Falk, mit unseren Projekten, was wir immer versuchen, ist dass das nächste Projekt immer etwas Neues ist, dass wir nichts wiederholen weil es für uns langweilig erscheint oder ja... Wir suchen glaube ich schon auch immer die Herausforderung, etwas uns Neues auszudenken oder eine neue Technik oder eine neuen Erzählform, einen neuen Look, irgendetwas was wir noch nicht gemacht haben.
00:04:47: Das sind unsere Prämisse!
00:04:49: Mit Falk Schuster zusammen hast du einen Film über das ehemalige Prestige Hotel in Leipzig, das Astoria gedreht.
00:05:01: künstlerischen Verbindung verschiedener Elemente entstanden.
00:05:05: Du hast gesagt, du hast ein Fable für Lost Places und das ist ja so ein Lost Place und den habt ihr in diesem Film auf eine ganz besondere Art und Weise wieder zum Leben
00:05:18: erweckt.".
00:05:19: Der Filmhotel Astoria ist auch einen sogenannten Animadoc, einem animierten Dokumentarfilm und besteht aus unterschiedlichen Ebenen.
00:05:26: Auf der Tonebene hört man Zeugzeugen Menschen, die im Hotel gearbeitet haben oder dort zu Besuch waren von Ost und West je nachdem sehr unterschiedlich also sehr multiperspektivisches erzählen.
00:05:40: Sie sind nicht zu sehen.
00:05:41: Also man sieht sie nicht sprechen sondern man hört nur ihre Stimmen Und aus ihren Erzählungen haben wir eine neue Erzählung verwoben.
00:05:51: und manchmal widersprechen die sich oder bekräftigen was der Vorredner-Vorrednerin gesagt hat so dass ein Bild entsteht ambivalentes Bild, wie dieses Hotel funktioniert hat oder wie dieser Arbeitsalltag da funktioniert.
00:06:06: Und auf der Bildebene haben wir Colagen, animierte Collagen die bestehen auch aus verschiedenen Elementen, aus Archivmaterial, aus Rotoskopien also sehr kleine Fragmente von Tätigkeiten, also jemanden Saustaub rollt einen Koffer oder gießt irgendwas in ein Glas.
00:06:28: Also so sehr kleine Tätigkeiten, grafische Elemente die aus dem Astorias stammen also Schriften, Speisekarten irgendwelche Ornamente und wirklich... Also noch um Grafiken, also drei Ecke Kreise Die farblich unterschiedlich sind.
00:06:46: Diese Film ist im Kapitel unterteilt und jedes Kapitel hat eine eigene Farbe.
00:06:49: das aber so ineinander fließt
00:06:52: Entstanden so'n bisschen aus der Not, weil es nicht viele Aufnahmen gibt.
00:06:57: Habt ihr quasi diese Lehrstellen ergänzt mit diesen wunderbaren Arbeiten?
00:07:02: Mit diesen wunderbare Animationen die so eine Welt wieder auf eine ganz andere Art und Weise so eine Welter erschaffen und ja einen Einblick gewähren in längst vergangene Zeit.
00:07:16: Wir waren weder dabei noch können wir sagen wie das wirklich wirklich war, also das ist sowieso so eine Frage.
00:07:22: Weil da jeder seine eigene Wahrheit hat und die auch haben darf.
00:07:26: Und wir haben immer sehr fragmentarisch gearbeitet weil Erinnerung auch immer fragmentarisch ist und jeder erinnert sich auch anders.
00:07:33: Deswegen haben wir immer nur entweder eine Ecke oder einen Tisch oder eine kleine Szene und nie bildfüllend diese Räume rekonstruiert was auch gar nicht gegangen wäre aber es war auch gar.
00:07:50: Was uns auch wichtig war, ist dass wir einen Film machen, der eben keine Talkingheads hat.
00:07:54: Der nicht aussieht wie alle anderen Berichte die es so gibt über das Astoria sondern dass es ein anderer Zugang ist eine andere Perspektive auch unsere Perspektiven auf die Zeit und dieses Hotel und sich gestalterisch irgendwie widerspiegelt.
00:08:11: Dass es irgendwie ein bisschen fresher ist und einfach ein anderes Narrative ist als was man kennt.
00:08:17: Zu dem Film gehört ein Projekt dieses Hotel mit einer VR-Brille zu erkunden.
00:08:24: Die Nachtbar, wir haben quasi nur die Nachtbar rekonstruiert.
00:08:27: Die ist aber wiederum komplett rekonstruitiert!
00:08:30: Du kannst dich da bewegen du kriegst einen Drink in die Hand gedrückt.
00:08:35: kann man das noch machen oder ist es jetzt quasi immer nur im Rahmen von Ausstellungen, Filmen und Kunstfesten benutzbar?
00:08:42: Die
00:08:43: App kann man sich in so einem App Store holen Die gibt es.
00:08:47: Ansonsten hat schon seine VR-Brille zu Hause, das ist immer schwierig.
00:08:51: Deswegen ist VR so toll, dass Medium auch ist und so wahnsinnig immersiv ist.
00:08:57: und Dinge kann die Film nicht können.
00:09:01: So schwierig ist es diese Projekte auszuwerten weil das ist ein sehr einzelnes Medium.
00:09:06: Das ist nicht, dass man zweihundert Menschen in einen Kinosaal gleichzeitig etwas schauen lassen kann sondern es ist immer ein Einzelner der eine Brille aufsetzen kann Und das ist sehr aufwendig.
00:09:16: Das muss man warten, muss man putzen, muss jemand da sein, dass auch alles läuft und da scheuen sich einfach viele davor.
00:09:27: Obwohl wir haben eine super stabile Version die von alleine läuft und die nicht ausgeht.
00:09:34: aber viele scheuen uns und sagen so ach Vr, nee das ist uns dann doch zu auffindlich.
00:09:40: Ich habe in einem Interview gehört, also der Film ist von Zwei Tausend Zwanzig.
00:09:46: Ihr redet über dieses VR-Projekt im Beitrag auch darüber wie zum Beispiel dein Kompagnon diese Arbeit gemacht hat diesen Film animiert hat wo man dafür sechs Sekunden Animationen mit Handzeichen locker einen Tag braucht Also wo auch jede Zehntelsekunde Echt sitzen muss, also das ist richtig Arbeit.
00:10:11: Jetzt sind erstaunlicherweise in so einem Medium, in dem du arbeitest sechs Jahre eine lange Zeit.
00:10:17: jetzt reden wir zum Beispiel über KI.
00:10:19: würde das heute noch so entstehen so ein Film
00:10:21: ich glaube Astoria sowie es wie wir es gemacht haben auch mit dem Anspruch?
00:10:27: mit dem dokumentarischen Anspruch sicherlich nicht.
00:10:30: Also Ich Glaube dass Dokumentarfilm und alles dokumentarische noch, also ich hoffe das wird auch so bleiben wenn wir es wollen dass das dokumentarisch authentische VKI erst mal safe ist.
00:10:44: Also meine Sorge ist dass historische Bilder überschrieben werden von KI-Bildern die eine neue Geschichtsschreibung uns dann suggerieren und durch Algorithmen einfach die historischen Bilder überlagern werden und man dann eigentlich sich nicht mehr erinnert oder anders erinnerte weil die Bilder plötzlich anders sind.
00:11:05: Auch wenn die Originale noch da sind, aber wir nicht mehr wissen.
00:11:09: also gut soll ja gekennzeichnet werden, aber wenn ich mir wissen ist es jetzt das Original?
00:11:13: Oder schon die verfeinerte Variante?
00:11:15: ne?
00:11:16: Es ist ja auch schon wenn man in den Suchmaschinen versucht dass erst mal die KE Ergebnisse kommen.
00:11:21: Das ist bei den Bildern ja genau so.
00:11:22: dann Und die Algorithmen werden das fossieren KI-generierten Bilder von vermeintlicher Realität oder historischen Ereignissen als erstes aufploppen.
00:11:34: Wer da nicht geschult ist, sich dessen nicht bewusst ist wird das ja natürlich so konsumieren.
00:11:40: Da sehe ich wirklich eine ganz große Gefahr dass wir eine andere Geschichtsschreibung dann plötzlich haben werden
00:11:47: Und für deine Arbeit bedeutet das vielleicht so ein bisschen was wie Back to the Roots.
00:11:52: Also zurück zum Anfang, also zurück zu einem klassischen Dokumentarfilm wo Leute vor der Kamera sitzen die aus ihren Erinnerungen erzählen wir kommen gleich nochmal zu dem Werk von dir.
00:12:04: da arbeitest du zwar
00:12:06: auch
00:12:07: künstlerisch, weil es geht um ein Theaterprojekt.
00:12:11: Aber es ist schon eher so ein klassischer Dokumentarfilm.
00:12:14: also was heißt das jetzt für dich?
00:12:17: Für die Arbeit aktuell?
00:12:19: Momentan glaube ich dauert es ähnlich lange die Prompt dann so zu setzen um das zu bekommen was man sich vorstellt.
00:12:27: aber Ich glaube wir machen Filme weil wir das Filme machen an sich so lieben Weil wir das Handwerk mögen und weil es beim Machen beim Testen Lösungen finden, an die mir vorher vielleicht gar nicht gedacht haben.
00:12:42: Und das ist doch was künstlerische Arbeit oder dieses Suchen nach einer Form, nach einer Gestaltung ja ausmacht.
00:12:51: Das ist doch das Spannende!
00:12:52: Der Weg ist das Ziel.
00:12:54: also beim Dokumentarfilm häufig sowieso weil man Je nachdem, was das für ein Unterfangen ist.
00:13:00: Aber häufig gar nicht weiß wo komme ich am Ende raus?
00:13:03: Weil Leben passiert und man kann nicht alles vorher aufschreiben.
00:13:08: Vielleicht können wir das auch noch mal.
00:13:10: einem Film der
00:13:12: noch
00:13:12: aktueller ist von dir.
00:13:13: Fassaden heißt ja es ausgezeichnet wurden auf nem Filmfestival in Mecklenburg-Vorpommern Und darin geht es um Gewalt an Frauen Hinterfassaden, also um häusliche Gewalt.
00:13:31: Gesprochen übrigens ist der Film von Sandra Hüller Das künstlerische Mittel.
00:13:36: was einfließt in die Geschichten dieser Frauen Ist ein Tanz zum Beispiel.
00:13:40: Also auch das is ja eine Möglichkeit quasi Zum Beispiel ohne Worte zu beschreiben Was so ne Not hinter so ner Fassade Die ja auch immer als schöne Fassada auftaucht In deinem Film.
00:13:55: Ja, was da passiert ist das?
00:13:57: Was du auch sozusagen gefunden hast.
00:13:59: Ich glaube, dass illustriert ganz gut.
00:14:02: Das, was ich erzählen möchte...
00:14:04: ...das war nämlich der Gedanke, dass er es eben nicht illustrieren soll, sondern dass der Tanz eine Assoziationsraum aufmacht.
00:14:15: Es ist ein zeitgenössischer Tanz.
00:14:17: Es sind Tanzpaar in unterschiedlichen Kapiteln und diese sind auch unterschiedlich gestaltet.
00:14:24: Die gleiche Szenerie ist es immer eine Black Box, aber es ist immer eine andere Gestaltung dieser Szene oder ein anderes Setting.
00:14:33: Für mich war Tanz von Anfang an eigentlich genau das Mittel der Wahl um diese Beziehung oder die Dynamiken und diese Hierarchien in dieser Beziehungen zu zeigen ohne dass eben der Text, den Sandra Hüller spricht, sehr klar und sehr konkret ist nicht zu bebildern, sondern da eben viel Raum zu lassen für das eigene Kopfkino.
00:15:00: Und der Tanz weil er so universell ist also die Tanzsprache ist sofort erfassbar für jeden und jede auf den ganzen Welt?
00:15:09: Weil man begreift auch sofort als Bild eine Hierarchie oder eine Dynamik oder wie gerade das Kräfteverhältnis ist aber eben auch was wir auch immer versucht haben.
00:15:20: Ich habe mit einem Choreografen gearbeitet, mit Sebastian Weber auch immer auszuloten wo es sind Ambivalenzen also wo ist das jetzt noch zärtlich oder ist das schon übergriffig?
00:15:33: Oder ist das ein ganz festes Halten oder eigentlich weggehen lassen wollen?
00:15:39: Also diese Momente von Ambivalenz, wo man nicht so genau weiß wie man das jetzt lesen soll und dass es häufig in den Beziehungen, denen sich die Frauen befinden eben auch so.
00:15:48: Dass sie das nicht immer sofort lesen können was jetzt gerade passiert Das war mir wichtig, dass das eben nicht so ein schwarz-weiß ist sondern ganz viel dazwischen.
00:15:58: Ich habe in Texten darüber gelesen was die Themen deiner Dokumentarfilme oder deine Arbeiten sind.
00:16:07: ich möchte es gar nicht benennen sondern lieber dich fragen Themen, die in deinen Arbeiten immer wieder auftauchen.
00:16:16: Ich glaube es sind in der Regel sehr menschliche Themen, soziale Themen, gesellschaftspolitische Themen.
00:16:24: Das hängt alles sehr nah zusammen aber auch Themen über die ich selbst wenig weiß anfangs und darüber mehr wissen möchte oder selbst darüber erschrocken bin wie wenig ich darüber weiß.
00:16:37: Also ich spüre das dann auch.
00:16:39: oder ist etwas, dass interessiert mich.
00:16:40: Dass sehe ich.
00:16:41: oder spüre ich, dass es da eine Erzählung gibt?
00:16:44: Oder dass es dann eine Lücke gibt die gefüllt werden müsste?
00:16:49: Begebe ich mich gerne in so ein Rabbit Hole und tauche ein und recherchiere häufig sehr lange und sehr intensiv um mir so ein sehr umfassendes Bild zu machen und um dann entscheiden zu können aber überhaupt in der Lage zu sein, entscheiden zu kann wie ich diesen Film machen möchte.
00:17:06: Kannst du da ein Beispiel nennen?
00:17:07: Also gibt es dafür dich so einen Film, der dir spontan einfällt in eine Arbeit.
00:17:12: Die dir spontane einfällt wo du sozusagen von das löst was in mir aus.
00:17:17: Es gibt offensichtlich eine Lücke.
00:17:19: die möchte ich jetzt füllen.
00:17:20: und wie mache ich das?
00:17:22: also wenn wir Fassaden nehmen zum beispiel wo es um die Gewalt an Frauen geht wusste ich zb wenig über die Gewaltspirale, die dahinter steckt.
00:17:31: Ich wusste wenig über das Hilfssystem und wie mangelhaft es ineinander greift?
00:17:38: Wie wenige Frauen eigentlich von unserem System geschützt sind?
00:17:42: Wie eigentlich so eine Exit-Strategie aussehen könnte – also wie so eine Handreichung!
00:17:48: Und ich hatte ne sehr steile Lernkurve in der Recherche um zu merken dass so ne Frage warum bist du nicht einfach gegangen, man eigentlich stecken lassen kann also auch um Täterstrategien zu verstehen.
00:18:01: Also das sind ja alles Muster, nach denen alle Gewaltbeziehungen funktionieren – es ist exakt dasselbe Muster.
00:18:07: und jede Frau die betroffen ist denkt aber sie ist die einzige auf der ganzen Welt, der das passiert.
00:18:12: Das zu verstehen wie Täterstrategien funktionieren?
00:18:15: Wie diese Machtstrukturen auch institutionelle Gewalt, die dann oben drauf noch kommt?
00:18:20: Wie das Frauen erschwert aus diesen Beziehungen rauszukommen Das zu verstehen, das wollte ich wissen.
00:18:26: Warum das in unserer Gesellschaft möglich ist dass diese Zahlen dieser Statistiken jetzt dritte bis vierte Frau von Partnerschaftsgewalt betroffen ist wie die überhaupt möglich sein können?
00:18:37: Ja und es hat nicht nur mit dem gesellschaftspolitischen oder mit dem politischen oder den System zu tun sondern auch mit unserer Gesellschaft.
00:18:46: Wir Frauen häufig nicht glauben, dass wir das kleinreden und sagen, stelle dich nicht so an.
00:18:51: Da ist doch so nett wird nicht mehr vorkommen hat sich ja entschuldigt.
00:18:55: Dass wir als Gesellschaft auch Gewalthäufig gar nicht erkennen oder viel zu spät erkennen Und Betroffenen nicht glauben ganz lange nicht glauben und sie eigentlich alleine sind.
00:19:06: Das ist dann sehr schwer dann alleine den Schritt aus diesen Beziehungen zu machen.
00:19:12: Wie bist du denn das erste mal auf dieses Thema gestoßen?
00:19:16: Es ist ja nun länger bekannt, du sagst es halt.
00:19:18: Aber irgendwann gab's die Stelle wo du gesagt hast jetzt löst das was in mir aus.
00:19:23: ich muss mich darüber informieren.
00:19:26: Ich hab' die Statistiken gelesen und sie haben mich total schockiert.
00:19:30: Das war im Jahr zwei Tausend Achtzehn.
00:19:32: Die Statistik werden erst seit zweitausend Fünfzehn erhoben Also gibt es noch gar nicht so lange, heißt zwei tausend Sechzehn wurden die das erste Mal veröffentlicht Und ich habe sie zweitausend achtzehn gelesen.
00:19:41: Das war auch das Jahr, in dem Deutschland die Istanbul-Konvention ratifiziert hat und ich vermute dass auch in diesem Zuge die Berichterstattung auf diese Statistiken eben aufmerksamer geworden ist und ich es auch sie so gelesen habe dann.
00:19:56: Ich dachte das kann nicht sein.
00:19:58: wie kann es sein, dass sich keine Betroffenen kennen?
00:20:00: Ich hab dann so durchgezählt jede dritte bis vierte Frau und rein statistisch kann das gar nicht sein.
00:20:06: Und natürlich kenne ich betroffene Frauen.
00:20:07: Wo wusste ich nichts davon, weil das eben so im Verborgenen passiert und so scham behaftet ist?
00:20:14: Dass man das mit sich selber ausmacht!
00:20:16: Ich habe ja nach diesem Prozess gefragt also du hast dich informiert.
00:20:20: dann entsteht für dich eine Situation wo du sagst okay das will ich unbedingt thematisieren.
00:20:25: wie geht es denn weiter in diesen Arbeitsprozess?
00:20:28: Für mich war klar dass die betroffenen Frauen nicht auftauchen werden Also weder im Bild noch mit ihrer Stimme, eigentlich noch mit ihrem Namen.
00:20:37: Wir hatten dann ganz am Schluss sieht man die Vornamen der Frauen, die sich dann entschieden haben dass es für sie in Ordnung ist mit ihren Vornahmen im Abspann zu stehen aber das Sie als Individuum nicht vorkommen werden um sie zu schützen Aber auch um davon wegzukommen Dass irgendwelche Zuschreibungen gemacht werden können alt oder jung, oder blond.
00:20:59: Oder hat eine Migrationsbiografie im Dialekt?
00:21:03: Wie auch immer!
00:21:04: Sondern davon komplett losgelöst...
00:21:06: Also von diesem Opfernarrativ was ganz schnell entsteht?
00:21:08: Ja
00:21:08: aber auch zu dieses dass man sagt da kann ich mich gar nicht identifizieren wenn die so aussieht natürlich ist sie Opfer.
00:21:14: also es passiert ja einfach ganz ganz schnell bei uns.
00:21:17: das wir Urteil dass wir uns einen Urteil machen Schubladen aufmachen und das wollte ich unbedingt vermeiden.
00:21:25: Deswegen auch diese Kunstkrift Sandra Höller, diese Geschichte sprechen zu lassen der Frauen.
00:21:31: Es sind ja vier Geschichten in einer neuen Biografie quasi zueinander miteinander verwoben worden und die hat Sandra eingesprochen und das ist eben auch eine Ästhetisierung.
00:21:42: Dennoch es ist nichts erfunden, es ist anonymisiert aber nicht erfunden.
00:21:47: Aber trotzdem passiert das jetzt auf einer anderen Ebene dieser Erzählung.
00:21:51: Jetzt würde ich sagen spontan, mir hätte das jetzt vollkommen gereicht mit den Bildern der Fassaden.
00:22:00: Mit der eindringlichen Stimme der Schauspielerin.
00:22:04: Mit den krassen Geschichten schlimmen Geschichten.
00:22:09: du hast dann aber noch ein Stilmittel weiter gewählt.
00:22:13: ist es denn auch in der Chronologie quasi der nächste Griff gewesen?
00:22:17: also für mich stand auch klar dass Es ich nicht dabei belassen möchte, eben ein Betroffenen Geschichte zu erzählen und das so sehr zu emotionalisieren.
00:22:28: Sondern eigentlich das System dahinter aufdecken klingt jetzt so investigativ aber auch zeigen möchte warum das überhaupt so passieren kann?
00:22:37: Und welche Hilfsangebote gibt es?
00:22:39: Welche Menschen gibt es in welchen Berufen die mit Betroffenem zu tun haben und was passiert da eigentlich?
00:22:46: Ich habe dann mit ExpertInnen mit der Polizei, mit verschiedenen Ärztinnen.
00:22:53: Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin und eben Rechtsanwältin die an irgendeinen Punkt früher oder später mit Betroffenen zu tun haben was sie tun können und wo ihre Handlungsspielräume aufhören.
00:23:06: Das fand ich schon sehr frappierend dass das oftmals nicht gut ineinander greift.
00:23:11: Und es hat sich jetzt viel getan.
00:23:12: seit dem, seit zehntausend achtzehn oder neunzehnts hat sich einiges getan.
00:23:17: zum Glück Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir sein sollten.
00:23:22: Also ich wusste zum Beispiel auch nicht was bei so einem Polizeieinsatz passiert.
00:23:26: Was passiert eigentlich wenn ich die Polizei rufe?
00:23:27: Was machen sie?
00:23:29: Wenn ich betroffen bin, was kann ich denn entscheiden oder bin ich überhaupt in der Lage zu entscheiden?
00:23:34: nimmt mir jemand eine Entscheidung ab?
00:23:36: also all diese Fragen oder auch was ist eine Befunddokumentation?
00:23:39: Was ist das für ein Dokument und was passiert da?
00:23:42: Was wird da gemacht?
00:23:44: Oder wie funktionieren Beratungsstellen?
00:23:47: Was passiert eigentlich vor Gericht?
00:23:48: Also all diese Fragen, die ich hatte, wollte ich einordnen in eine echte authentische Betroffenen-Erfahrung.
00:23:57: Die das gesagt hat, die es eben sehr emotional ist dann nochmal sehr sachlich einordnet und so eigentlich so eine Art Handreichung ist.
00:24:06: Also meine Prämisse war einen schönen Film zu einem hässlichen Thema zu machen weil mir natürlich von Anfang an klar war Ein Dokumentar von einem Kinofilm zu Gewalt an Frauen ist jetzt nicht der Kassenschlager, nicht das Popcornkino.
00:24:24: Wofür man sich am Freitagabend ins Kino begibt?
00:24:26: Das war mir von Anfang an klar.
00:24:29: Dennoch habe ich versucht ein sinnliches cinästisches Erlebnis zu erschaffen.
00:24:34: Dass wenn man sich schon vom Sofa schält und sich eine Eintrittskarte kauft eben neunzig Minuten seiner Lebenszeit verbringt, dass das ein sinnliches Erlebnis auf mehreren Ebenen sein muss.
00:24:47: Und deswegen auch dieser Tanz der hoch ästhetisch ist, wo wir viel mit Licht gearbeitet haben und auch mit Stoff gearbeitet hat, dass es einfach auch visuell auf einer großen Leinwand einfach gut funktioniert.
00:25:01: Und natürlich der Tanz an sich, der inhaltlich das transportieren kann was nur der Tanz kann.
00:25:09: Wie waren denn die Reaktionen auf den Film
00:25:12: unterschiedlich?
00:25:13: Eigentlich aber durchweg positiv.
00:25:15: Es gibt viel Wut, viel Empörung, viel Dankbarkeit aus unterschiedlichen Bereichen also von Betroffenen, die häufig sagen der Film ist auch meine Geschichte.
00:25:27: oder danke dass das der Film auch meiner Geschichte eine Stimme gibt, dass diese Geschichten jetzt hier öffentlich diskutiert werden können, dass Menschen davon erfahren wie das eigentlich ist in so einer Beziehung zu sein.
00:25:40: Aber auch von den einzelnen Berufsgruppen sagen danke, dass mein Berufsstand sichtbar geworden ist weil wir machen hier ja ein Jahr aus uns werden die Mittel gekürzt und jetzt bekommen wir hier so eine Bühne.
00:25:55: unsere Arbeit ist ja essentiell die rettet ja im wahrsten Sinne des Lebens Leben.
00:25:59: genau da gibt es einfach sehr viel Zuspruch aus den Arbeitsbereichen.
00:26:05: Das heißt, er wird auch jetzt noch gesehen?
00:26:07: Der Film findet sicherlich auch in Weiterbildungen
00:26:10: vielleicht statt?
00:26:11: Ja wir sind gerade dabei, Arbeitsmaterialien für einen Schuleinsatz zu erstellen.
00:26:15: das müsste eigentlich demnächst fertig sein ist eigentlich schon geschrieben muss man nur noch layouten und in die Welt posten.
00:26:22: also man kann den Film buchen auch über die Schulkinowochen.
00:26:24: wer möchte wir versorgen?
00:26:27: gerne mit Plakaten mit Flyern eben mit Arbeitsmaterialien.
00:26:31: Und ansonsten, also der jetzt im Herbst wird er noch einige Screenings haben.
00:26:35: Da wurde oft angefragt gerade für den November im Rahmen Der Orange Week zum Internationalen Tag gegen Wald an Frauen um dem Vierundzwanzigsten Elften und drum herum.
00:26:45: viele machen Aktionswochen gegen Gewalt und in dem Rahmen wird der Film gezeigt auch bundesweit und hat dann aber auch Ende November eine Fernsehausstrahlung bei Arte.
00:26:57: Ein älterer Film von dir heißt Szenen eines Abschieds.
00:27:01: Der begleitet drei Frauen jenseits der Achtzig, während sie sozusagen in einer festen Theatergruppe da sich wöchentlich treffen.
00:27:13: Begleitet diese und du hast ja auch zu Hause interviewt.
00:27:18: Da geht es eben um Szenene eines Abscheeds oder eine Szene von vielen Abschieden.
00:27:25: Was mich an diesem Film tatsächlich extrem fasziniert hat, ist wie wahnsinnig klar diese Frauen über Abschiede reden.
00:27:36: Auch über Ende, über das Ende der Filme von zwei Tausend vierzehn.
00:27:41: Mich hat völlig faszineret, wie du es geschafft
00:27:44: hast,
00:27:46: diese Frauen so zu öffnen noch in einer Generation wo man über sowas eigentlich nicht redet.
00:27:53: Die eine Frau sagt das sogar an einer Stelle.
00:27:55: Ich rede nicht drüber über meine Angstform sterben, aber jetzt die erzähle ich es!
00:28:00: Wie schaffst du das?
00:28:02: Leute so oft zu schließen dass sie wie selbstverständlich vom Sterbensprechen von eben einem Abschied von ihrem Leben wird immer auf einem Ende.
00:28:13: Ich glaube da sind drei Gründe oder ja vielleicht drei Schlüssel.
00:28:19: Das eine ist ein ganz ganz aufrichtiges Interesse und Neugierde, ich wollte wirklich verstehen und wissen was in diesen Frauen vorgeht.
00:28:31: In welchen Gefühlswelten finden da statt?
00:28:35: Weil das eben eine Generation ist die mir nicht sehr nahe ist.
00:28:39: meine Großeltern sind sehr früh für Sturm und ich hatte diese Großelter Beziehung nicht Und mir war es ganz fremd.
00:28:47: also ich wusste nicht wie alte Menschen über das Leben denken, über die Liebe, über Partnerschaft.
00:28:52: Über eben diese vielen Abschiede, die man im Laufe eines Lebens machen muss.
00:28:57: Das ist das eine.
00:28:58: Das andere ist zuhören, also aktives Zuhören aber auch... Also weil du sagtest Interview ich würde sagen es sind Gespräche.
00:29:08: Das is nicht nur dass ich Informationen einsamle sondern auch Informationen gebe, also es ist keine Einbahnstraße sondern das ist ein Dialog immer.
00:29:20: Deswegen hört man mich auch im Film glaube ich auch mal was ich nicht so gerne mag aber das gehört nun mal dazu weil es eben gegenüber gibt dass es wirklich einen Dialog ist, ein Gespräch miteinander.
00:29:36: und das dritte ist, ist dass die Frauen durch das Theater gelernt haben in sich hineinzuschauen.
00:29:42: Diese Theatergruppe, das sind Leihendarstellerinnen, kennt sich seit über zwanzig Jahren und sie proben wirklich einmal die Woche.
00:29:50: Und schöpfen eben aus sich selbst weil es keine professionellen Schauspielerinnen sind sondern nur sich und ihre eigene Biografie haben, aus der Sie schöpfen können.
00:29:59: Das macht das Theater.
00:30:01: dass man reflektieren muss, dass man in sich hineinschauen muss Dass man auch Gefühle in Worte fassen muss oder es versuchen muss.
00:30:10: Das ist ein großer Aspekt, warum diese Frauen so reflektiert sind und einfach auch Worte finden für das was ihnen los ist.
00:30:20: Wie hast du diese Frauen entdeckt?
00:30:22: Sie wurden mir vorgestellt von einer Freundin die Theaterpädagogin ist und sie hat ihre Ausbildung dort am Theater gemacht.
00:30:29: Das Landesteater in Tübingen und sie sagte dass diese Frauengruppe Unfassbar und ich muss sie kennenlernen.
00:30:38: Und hat mich mal mitgenommen, das war dann ... Liebe auf den ersten Blick!
00:30:42: Weil wir so neugierig aufeinander
00:30:44: waren.".
00:30:44: Das ist
00:30:44: wirklich ein Kurzfilm.
00:30:46: Zweiundzwanzig Minuten ist der langen.
00:30:48: Der fühlt sich mal abgesehen von der Gefühlswelt die beim gucken, so ging's mir komplett aufgewöhnt wird einmal.
00:30:57: Fühlt sich trotzdem auch so leicht an.
00:31:01: Das hat mich fasziniert.
00:31:02: also schwere Themen werden angesprochen.
00:31:06: Trotzdem ist dieses Setting so freundlich.
00:31:08: Du hast das gerade auch von einem anderen Film geschildert, ich will verschreckliches Schönen erzählen... Das kommt da für mich in diesem Film auch grüber?
00:31:16: Ist das so ein was typisches für deine Arbeit?
00:31:19: Vielleicht habe ich es so noch gar nicht gesehen aber das ist interessant dass du das sagst.
00:31:23: das kann sein!
00:31:25: Kann sein ja weil diese Leichtigkeit oder diese Liebe die diese Frauen umgibt und die sie auch geben, ist ja sehr greifbar.
00:31:37: Und auch der Humor ist sehr ansteckend!
00:31:41: Auch eine große Dankbarkeit, dass Sie immer noch das machen können was Ihnen Spaß macht.
00:31:46: Selbst wenn es noch so viele gebrechen sind, also Esther, die eine Protagonistin war, wurde über Nacht ins Krankenhaus gebracht weil sie Schmerzen hatte und eigentlich gar nicht mehr aufstehen konnte.
00:31:57: aus dem Krankenbett im Krankenhaus hat sie ihre Freundin Ulla von der Theatergruppe angerufen, um den Text zu proben.
00:32:04: Weil sie so sicher sind, dass sie zur Premiere wieder fit ist und das ist eine unglaubliche Motivation die Sie sich selbst geben ja auf der Bühne stehen vom Publikum und gefeiert werden weil das ist häufig was die Frauen in ihrem Leben nicht hatten.
00:32:19: Dass sie im Mittelpunkt stehen und dass sie beklatscht werden und bejubelt werden und sich feiern können und das es eine unglaublichen Motivations für sie.
00:32:28: Und wenn ich so darüber nachdenke, ich habe auch einen Film gemacht über Stillgeburten.
00:32:34: Also über Kinder die tot auf die Welt kommen ein unglaublich schmerzhaftes schreckliches Thema was sehr viel betrifft.
00:32:44: Es gibt wahnsinnig viele Betroffene.
00:32:47: Dieser Film ist unfassbar traurig.
00:32:50: Dennoch es isst ein Lebensbejahenderfilm.
00:32:54: Diese Frauen und Mütter sind lebens bejaant und voller Liebe.
00:33:00: Und das ist, glaube ich was man auch in diesem Film spürt obwohl der Tod ebenso präsent ist.
00:33:07: Und ja vielleicht hast du recht dass sich schmerzhafte hässliche Themen mit Humor Freude und Liebe nicht verpacken aber dass es sehr nah beieinander ist und man glaub ich immer nur das herausarbeiten muss was wichtig ist.
00:33:28: Ja, es gehört zum Leben dazu und dass niemand ist davor gefeilt.
00:33:31: Es wird jeden erwischen!
00:33:34: Also ich kann nur hoffen, dass das am Ende eines Lebens ist und nicht... ...dass man mit dem drin herausgerissen wird was natürlich auch passieren kann.
00:33:45: also wir wissen es nicht Und Ich habe schon auch gelernt, innezuhalten und auch zu gucken Was?
00:33:53: Was is da?
00:33:54: Was hab' ich für ein Glück.
00:33:57: kann ich dankbar sein, warum bin ich dankba?
00:34:01: Ja und es ist manchmal schwer aus diesem Hamsterrad herauszukommen.
00:34:04: Wir sind ja alle wahnsinnig beschäftigt und es sind viele Baustellen und viele Projekte und dies und das und jenes und sowieso.
00:34:12: aber dass es uns eigentlich wirklich gut geht.
00:34:15: also mir geht es wirklich gut!
00:34:17: Ich habe nichts auszustehen nur überhaupt keinen Grund zu jammern.
00:34:22: Bist in Polen geboren, du lebst aber schon seit wieviel Jahren in Deutschland oder schon immer?
00:34:30: Seit fast dreißig Jahren.
00:34:32: Hast Du einen Bezug zu Deiner Heimat?
00:34:37: Ich finde Heimat ist ein Begriff den ich eigentlich nicht nutze.
00:34:42: Es ist auch schade dass es im Deutschen keinen Plural gibt für das Wort Heimat und ich habe an vielen Orten gelebt.
00:34:49: Also wir sind ja alle an Konklomerat aus Erfahrungen und Orten, Begegnungen und Gefühlen und Prägungen.
00:34:58: Ich finde das ist so ein bisschen immer zu kurz gedacht, dass es die Heimat... Das ist die echte Heimat!
00:35:05: Und man ist irgendwo dazugezogen und ab wann gehört man eigentlich dazu?
00:35:11: oder bleibt man auf ewig zugezogen?
00:35:16: Mit sowas beschäftige ich mich nicht.
00:35:19: Das ist nicht dein Thema.
00:35:20: Nee.
00:35:21: Du selbst bist in der Blüte auch deines Schaffens?
00:35:30: Das ist aber schön!
00:35:32: Was hast du momentan vor?
00:35:34: oder was geht dir gerade im Kopf rum, was sind deine Projekte die du gerade betreust?
00:35:39: Worauf können wir uns freuen von dir?
00:35:41: Viele Baustellen wie schon erwähnt und ich brauche das auch.
00:35:45: Ich bin noch viel mit Fassaden unterwegs jetzt noch den ganzen Herbst.
00:35:48: Ich begleite den Film sehr gerne und recht intensiv, einfach auch um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
00:35:54: Ich habe einen neuen Kurzfilm der heißt Unbemerkt verstorben.
00:35:59: Da geht es um... Jetzt muss ich selber lachen weil es ums einsamsterben geht.
00:36:06: Und wie tief eigentlich unser soziales Netz hängt.
00:36:10: das Todesfälle im unmittelbaren Umfeld häufig sehr lange nicht bemerkt Das in einem Wohnhaus jemand sehr einsam verstirbt, weil es keine Angehörigen gibt oder sie eigentlich auch nichts mehr mit der Person zu tun haben wollen.
00:36:27: Dass das soziale Gefüge die Nachbarschaft... Es ist eine hohe Fluktuation da!
00:36:32: Man achtet nicht mehr aufeinander, man ist einem so alles ein bisschen egal und wenn dieser Mensch verstirmt er dann einfach häufig sehr lange nicht gefunden wird weiß niemand interessiert.
00:36:44: Und ich war in Wohnung, da waren Menschen Die lagen da fünf Monate, zehn Monate und niemand hat sie gefunden.
00:36:53: Irgendwann wurde dann auch weil der Briefkasten vielleicht irgendwann überquält oder auch ein Geruch irgendwie im Treppenhaus da ist.
00:37:02: aber das finde ich schon sehr erschreckend dass man sich nicht fragt oh ich habe jetzt mein Nachbarer oder meine Nachbarin eine Weile nicht gesehen Ich klingel mal ob alles in Ordnung ist.
00:37:13: Das passiert leider in den seltensten Fällen.
00:37:18: Und ich habe so eine Wohnungsausräumung gefilmt, das ist ein Kurzen der sieben Minuten lang wo eigentlich so ein ganzes Leben auf dem Müll landet und diese Biografie ist für immer verschwunden.
00:37:29: die Wohnung wird ausgeräumt neu gestrichen und ist bezugsfertig für die nächsten.
00:37:33: und ja es ist ein Kreislauf es kommt immer wieder was Neues man muss immer weiter machen.
00:37:38: aber Es finde ich schon sehr erschreckend dass Ja dass man dann so komplett vergessen wird und auf dem Müll landet.
00:37:47: Niemand will, niemand möchte die alten Fotos oder die Briefe oder die Porzellan-Vase
00:37:54: haben.".
00:37:55: Ja das macht mich sehr traurig ist aber glaube ich erzählt viel über unsere Gesellschaft Genau!
00:38:01: Und dieser Film ist momentan auch auf Festivals unterwegs unter anderem bei den Filmkunsttagen Sachsen-Anhalt in Magdeburg jetzt Anfang Oktober.
00:38:10: da bin ich eben noch zum Filngespräch da.
00:38:13: Ich arbeite als Autorin für das Kurzelmagazin Unicato, für die AAD vom MDR.
00:38:20: Und da ist die nächste Sendung zum Thema Generationen-Einheit.
00:38:24: Da geht es um sehr junge filmschaffende Geburtsjahr um die Zwei Tausender, die ihre Ostidentität noch einmal anders hinterfragen oder eine neue Perspektive auf ihre Identität und ihr Ostdasein haben als wir es haben oder die Generation davor.
00:38:42: Es ist die vierte Generation Ost, die jetzt anfängt Filme zu machen darüber wie die Lebensrealitäten im Osten sind.
00:38:50: Das finde ich ist eine sehr spannende Thema, es sind tolle Filme und tolle Gäste.
00:38:55: Ist dann auch lange in der Mediathek.
00:38:57: Generation Ost bei Unicato mit Falken, mit Hackfilms haben wir noch, produzieren wir gerade noch einen animierten Dokumentarfilm von Rika Tarigan einer jungen isnolesischen Animationskünstlerinnen, die in Leipzig lebt.
00:39:11: Und da geht es um die weibliche Genitalverstümmelung ist ein autobiografischer Film und in Indonesien.
00:39:20: Das sozusagen das hinterfragen, das kritische Hinterfragen dieser sogenannten Traditionen.
00:39:26: Es ist auch eine ganz sehr bewegende unfassbar klarer und poetischer Film der jetzt gerade in Fertigstellung ist.
00:39:36: Und dann würde ich gerne mich in so einen Rapid Hole begeben
00:39:40: für
00:39:40: eine Recherche, aber momentan fehlt mir wirklich ein bisschen die Zeit hier in Sachsen-Anhalt.
00:39:45: Also mich interessieren Transformationsprozesse auf verschiedenen Ebenen.
00:39:51: da würde ich gern eintauchen und ich hoffe dass mir das im Winter gelingt.
00:39:56: Das müsste jetzt für mich mal etwas konkretisierend.
00:39:59: So konkret ist es vielleicht noch gar nicht weil ich am Anfang der Recherchen stecke.
00:40:05: Unsere Region ist ja geprägt von Transformationsprozessen auf vielen Ebenen.
00:40:09: Nicht nur was die Landschaft angeht, sondern auch politisch gesellschaftlich und in der Kunst.
00:40:14: Ich habe zum Beispiel mit einer Punkband gesprochen, die Ende der achtziger Jahre Ökopunk gemacht haben – mit Texten, die über dreißig Jahre später aktueller sind denn je!
00:40:27: da ein Transformationsprozess stattgefunden hat, der nicht vorhersehbar war.
00:40:32: So richtig!
00:40:32: Denn sie zumindest als Jugendliche damals nicht gesehen haben sondern ihre Lebensrealität besungen haben und die heute aber wieder genauso zutrifft.
00:40:42: Transformationsprozesse im weitesten Sinne auf vielen verschiedenen Ebenen.
00:40:47: mal gucken... wo ich am Ende rauskomme.
00:40:49: Das ist ja spannend, also das darf man glaube auch nie vergessen gerade wenn es jetzt um die kürzeren Werke geht dass da immer so wahnsinnig viel Zeit drin steckt und so wahnsinnig viele Recherche und du sozusagen aus Wahnsinnigviel Material quasi das Wichtigste rausziehst und kurz fast... Es ist Handwerk auf der einen Seite aber auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine große Kunst.
00:41:15: Ja deswegen liebe ich den Kurzwimmsohn Und Kurzfilm ist für mich die absolut unterschätzte Kunstform überhaupt.
00:41:23: Kurzfilm is so vielfältig und hat eine unfassbare Bandbreite, nicht nur was... Was die filmische Form angeht auch was Gestaltung angeht, was Themenvielfalt angeht sondern auch die Themen.
00:41:36: also man findet ja zu jedem Thema gibt es einen Kurzfilm mindestens einen.
00:41:42: Also wir haben jetzt mit Falk einen Film gemacht im Rahmen dieses Keyframes-Programms von der MDM und dem MDR.
00:41:49: Der heißt Sprechzeit, der ist knapp fünf Minuten lang unter Erzählen Menschen bei einem Bürgerdialog zum Thema Ausgrenzung und wann sie sich ausgegrenzt fühlen und wo Sie vielleicht auch ausgrenzen?
00:42:02: Und ich habe letztens den Film in einem kleineren Kreis gezeigt und wir haben so lange über diesen Film geschont, viel länger als der Film lang ist!
00:42:11: Und das ist etwas, was Kurzen eben kann mit einem Impuls oder einer Fragestellung oder eine Anregung zum Gespräch.
00:42:20: Etwas loszutreten und das finde ich sollte viel häufiger Einsatz finden.
00:42:25: Ich weiß von Halle, dass zum Beispiel das Luxkino seine Filme immer mit einem Kurzfilm beginnt.
00:42:32: Das könnte mehr Beachtung finden.
00:42:35: Also kurzfilmen klingt zu kurz gegriffen
00:42:39: quasi... Ja aber das ist ein dickes Brett!
00:42:43: Das sind Themen die gibt es schon immer und die wird es wahrscheinlich leider auch immer geben, dass der Kurzfilm
00:42:51: einfach nicht
00:42:53: Primetime stattfindet ...häufig im Kino nicht stattfindet.
00:42:57: Auch aus Gründen, das hat mit den Betreibern häufig auch gar nicht so viel zu tun, sondern weil die Plätze einfach so eng getaktet sind und die Kinos müssen Werbung spielen... Und die Filme werden ja immer länger!
00:43:11: Da bleibt einfach wenig Zeit noch einen Kurzfilm zu spielen.
00:43:15: Zumal man denen dann auch sozusagen zum Dialog beispielsweise schaut,... ...und nicht um danach irgendeinen Blockbuster anzugucken.
00:43:24: Eine Frage.
00:43:25: Was verbindet dich mit der Kunststiftung?
00:43:28: Die Kunststriftung ist schon seit vielen Jahren ein sehr toller, verlässlicher richtig guter Partner für Hackfilms vor sehr vielen Jahren.
00:43:39: Ich glaube das auf den Wahgemotig-Film von mir lief.
00:43:48: Das war glaube ich nicht meine erste Begegnung mit der Kunststiftungen, sondern schon bei der PMMC.
00:43:53: aber Die Kunststellung als Institution in Sachsen-Anhalt, es ist einfach eine Institution und für Filmschaffende, Kunstschaffende enorm wichtig.
00:44:03: Und eben diesen verlässlichen Partner zu haben.
00:44:05: Jemanden quasi der einen den Rücken stärkt... ...und da ist egal worum es geht ob's auch natürlich finanziell aber auch was Außendarstellung angeht, auch was Gespräch.
00:44:18: Es ist quasi wie eine gute Freundin!
00:44:21: Es gibt noch eine Frage dich allen ganz zum Schlussstelle.
00:44:25: Gibt es ein Projekt, gibt das etwas was du unbedingt nochmal im Laufe deines Schaffens realisieren willst so eine Art
00:44:34: Traum?
00:44:35: Also ich habe ja einen Ordner bei mir auf dem Rechner wo ich so Ideen ablege.
00:44:42: Das sind einige drin.
00:44:44: also Ich hab mir eigentlich angewöhnt dass was mir unter den Nägeln brennt oder was mich gerade am meisten interessiert dass sozusagen in der Welt sehe oder auch als Gesprächsthema sehe, das mache ich dann auch.
00:45:02: Weiß ich nicht... also Träume!
00:45:06: Tom Cruise hat jetzt letztens gesagt er hat Träime und er packt seine Träune jeden Tag an.
00:45:12: Träumen weiß ich nicht.. Ich habe Vorhaben.
00:45:14: Ich bin sehr pragmatisch.
00:45:16: bei mir geht es ja immer irgendwie weiter und das machen sich immer neue Türen auf durch die ich gehen möchte und wenn es nicht durchgehen kann, dann mache ich eine andere Tür auf.
00:45:26: Also was ich mir wünsche ist einfach so der... also wie das so schön heiß war zum Geburtstag, die Schaffenskraft so wünscht!
00:45:35: Das wünsche ich mir dass sie nicht so schnell versiegt.
00:45:38: Alina Zürernek ja viel Schaffenschraft auch von mir an dich und noch viele viele Jahre in den tolle Dinge entstehen, die ja soviel wir möglich geschaut werden und viel diskutiert werden.
00:45:54: Danke!
00:45:54: Ich danke dir auch für das
00:45:55: Gespräch.
00:45:56: Dankeschön.