NEU WERK - Der Podcast der Kunststiftung

NEU WERK - Der Podcast der Kunststiftung

Gespräche über Kunst und die Welt - im Podcast der Kunststiftung

Transkript

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00:00:06: Hallo und guten Tag beim Podcast der Kunststiftung Sachsen-Anhalts.

00:00:16: Mein Name ist Anna Seiler, ich bin heute zu Gast bei einem Künstlerkollektiv und bei mir sitzt ein Mitglied dieses Künstlers Kollektives.

00:00:26: Ich würde sagen, du stellst sie einfach mal vor!

00:00:29: Hallo – ich bin Mike okay?

00:00:31: Ich bin Mitglied des Kunstkolektivsklubs Sieben aus Berlin und Halle.

00:00:36: Wir sind sechs Freunde, die sich in den neunziger Jahren im Halle Neustadt hinterm Block kennengelernt haben.

00:00:44: Beim Graffiti-Mahlen und seitdem Kunstprojekte zusammen machen als Kollektiv.

00:00:52: Mike wir sitzen hier in einer Halle.

00:00:54: das ist deine oder eure Werkstatt?

00:00:57: Oder euer Atelier wie würdest du es bezeichnen?

00:01:00: Ja genau, Bergstadtatelier Ort der Zusammenkünfte, also wenn man sich mal nach da drüben umschaut, sieht man auch eine Anlage.

00:01:11: Das ist quasi die Leidenschaft von meinem Freund Ingo, der hier – wenn er das Atelier betritt – auch gleich mal so einen kleinen Morgenmix uns um die Ohren haut.

00:01:24: Also eigentlich ein ganz bunter Ort für ganz viele kreative Ideen.

00:01:29: Und es war oder ist mal eine Werkhalle gewesen?

00:01:34: Hier in der Horderverstraße, das könnte man vielleicht auch noch zusagen im Halle?

00:01:38: Jetzt

00:01:38: fragst du mich was.

00:01:39: Also hier wurden ganz früher Leuchtreklam für den Ostblock produziert später dann irgendwann Lampen Wohnzimmerlampen, Hengelampen aber ich kann es jetzt zeitlich nicht richtig einordnen Aber wir sind jetzt hier in einer zweihundertsechzig Quadratmeter-Halle und Hier spürt man auch noch so diesen Geist der alten Zeit, weil wir haben schon ein bisschen rumsaniert.

00:02:10: Aber es sind doch viele alte Fragmente noch sehbar und spürbar also... Wir haben hier einen großen rechteckigen Raum, der ist glaube ich zwölf Meter breit und geht dann zwanzig Metern die Länge.

00:02:25: Wir haben drei Meter siebzig hohe Wände.

00:02:28: von innen sieht man sehr viel Backstein, viele Vorhänge weil wir den Raum damals, als wir ihn übernommen haben nicht unterteilen wollten sondern so flexibel wie möglich bleiben wollten in der Aufteilung.

00:02:41: deswegen ganz viele Vorhänge die man auf und zu ziehen kann und dadurch kleine Nischen bilden kann.

00:02:47: Neben uns ist eine riesengroße reingezogene Wand an der hängen Leinwände vor uns hinter uns Fensterfronten.

00:02:54: morgens hat man hinter mir die Morgensonne hinter dir ist dann quasi ab Mittag Die Mittag und Nachmittag und Abendsonne.

00:03:03: Also es ist ein sehr heller Raum, was auch noch spannend ist über uns unter uns rechts links alles Kreativschaffende.

00:03:10: meistens hört man Schlagzeuge, Bassgetanen aus allen Richtungen Unter uns sind auch ein kreatives Kollektiv plus X.

00:03:22: Brauchst du so ein kratives Umfeld um kreativ zu werden?

00:03:26: Nicht unbedingt aber ich finde Es belebt ja dann auch so mein Alltag.

00:03:32: Ich schließe mich hier gerne alleine ein, was manchmal gar nicht so gegeben ist wenn man als Kollektiv zusammenarbeitet und dadurch kann ich aber auch die Ruhe gut genießen Und finde es schon ganz gut zu wissen dass um mich drum herum Leute sind, die so ein ähnliches kreatives Mindset haben wie ich auch.

00:03:52: Wir wollen anfangen tatsächlich mit dem Kollektiv.

00:03:56: Bei euch gibt es ja schon sehr lange und vielleicht erzählst du tatsächlich mal von den Anfängen, bevor wir dann auf das kommen, warum wir gerade jetzt über euch sprechen?

00:04:07: Wir haben die Gruppe gegründet,

00:04:12: und da sind

00:04:13: wir alle noch zur Schule gegangen.

00:04:15: So hat man ja tatsächlich selten dass erstens so ein Kollektif so lange besteht glaube ich oder Das ist so erwächst fast wie eine Band aus einer Zeit, wo man noch zur Schule geht und wo man so cool ist.

00:04:29: Aber natürlich auch die Kunst, die ihr damals gemacht habt.

00:04:33: Wie ist das genau entstanden?

00:04:35: Du hast gerade gesagt hinter dem Block.

00:04:39: Genau!

00:04:40: Buchstäblich hinterm Block in Halle Neustadt

00:04:42: gibt

00:04:43: es eine Hall of Fame, also eine große Wand, bei der man legal Graffiti machen kann.

00:04:50: War die damals schon eingerichtet?

00:04:51: Genau, die gibt es schon seit den neunziger Jahren und existiert immer noch.

00:04:56: Es gab in Halle, in den Neunzigern eine richtig gute, gut vernetzte Graffiti-Szene – in Hallen Neustadt und in der Altstadt.

00:05:05: Und wir haben uns damals kennengelernt, lieben gelernt, haben eine Crew zusammen gegründet und sind seitdem eigentlich permanent zusammen.

00:05:16: Wer gehört denn jetzt alles dazu?

00:05:18: Also von damals unter auch heute noch!

00:05:20: Mich haben wir schon vorgestellt, der Maik.

00:05:23: Der Ingo Albrecht Hauser Christian August Dani Christopher, der sich auch Lowski nennt und Otto Baum.

00:05:34: Okay wo sind die gerade alle?

00:05:37: Wir haben ja Sommerferien Die Hälfte ist irgendwie an der Ostsee oder in der Toskana Und unsere Kita-Schließzeit ist leider schon vorbei.

00:05:47: Deswegen bin ich jetzt hier!

00:05:49: Der Einzige im Atelier

00:05:52: Klub sieben, weil sind das jetzt sieben Namen gewesen?

00:05:54: Naja wir waren mal zu siebend und wie das so ist im Laufe der vielen Jahre hat es dann mal gewechselt.

00:06:02: Und sich neu zusammengefunden.

00:06:06: aber ich denke wir sind glaube ich seit zwei tausend, dreinzwanzig oder zwanzig fest in dieser Besetzung, in der wir jetzt auch sind.

00:06:15: Wir haben uns natürlich erst einmal über einen gewissen Moment angeschnuppert, angenähert.

00:06:20: Bis wir gemerkt haben das funktioniert ziemlich gut also nicht nur auf dieser künstlerischen Ebene sondern auch auf der persönlichen und es hat dann soweit geführt dass wir dann auch gemeinsam an der Kunsthochschule in Halle an der Borg-Ebichenstein studiert haben unsere Abschlüsse gemacht haben Gemeinsam dachten, wie geht es denn jetzt weiter in der Zukunft?

00:06:45: Wir haben glaube ich gar nicht lange rum überlegt und dachten lasst doch einfach eine GBR gründen.

00:06:51: Lasst das Kunstkollektiv weiter bestehen und weiter den Weg zusammengehen professioneller.

00:06:57: Und das ist dann der Club Sieben.

00:06:59: mit dem kriegt ihr Aufträge.

00:07:02: Wie läuft das?

00:07:03: Es hat sich schon während meiner Studienzeit so entwickelt dass wir angefragt worden für Ausstellungen für irgendeine Ortausstellung, wo es um Graffiti ging.

00:07:15: Wo es um Straßenkunst geht oder ging... Es ist manchmal echt krass so viele Jahrzehnte zurückzublicken und das aus dem FF alles immer noch zu können.

00:07:28: also man möchte meinen ich müsste unsere Kunden unsere unsere Kollektivgeschichte im Schlaf können.

00:07:37: aber ich merke auch jetzt gerade dass So viele Jahre dazwischen liegen, dass viele Details manchmal gar nicht mehr so deutlich sind.

00:07:47: Weil eben aktuell immer noch ganz viel passiert und wir ganz viel zusammen aufsaugen.

00:07:53: Deswegen verschwimmt manchmal ein bisschen die Vergangenheit.

00:07:56: Also da muss ein Buch her, würde ich sagen?

00:07:58: Da reicht eine Stunde Podcast nicht...

00:08:00: Nee, die reicht nicht!

00:08:02: Ihr trefft euch an dieser Wand wo ihr legalisch prühen könnt.

00:08:08: Er sprüht schon mit eurer eigenen Handschrift.

00:08:13: und jetzt vielleicht erinnerst du dich, macht jemand was, was du toll findest?

00:08:18: Kannst du dich an so einer Situation erinnern als du noch Schüler warst und plötzlich eine Arbeit siehst von jemandem wo du sagst wow ich glaub den möchte ich näher kennenlernen mit dem du jetzt auch immer noch zusammen abhängst im Club Sieben.

00:08:35: Es ist echt krass, mit den Gefühlen fast dreißig Jahre zurückzureisen.

00:08:40: Aber natürlich habe ich die Sachen vom Ingo total geliebt damals und auch von Christian... ...und auch die figürlichen Sachen vom Christopher, vom Lowsky.

00:08:53: Und die verzaubern mich ja immer noch!

00:08:55: Also wir sind ja nicht weniger kreativ geworden sondern es hat sich so viel angesammelt an Input und Output dass wir uns gegenseitig immer noch verzaubern.

00:09:06: Ich glaube, darin liegt auch die Magie unseres Kollektivs, das wir uns immer noch überraschen können und uns ja immer noch verzaubern und inspirieren können.

00:09:19: Du hast gerade das Figürliche angesprochen.

00:09:21: was machen die anderen?

00:09:22: Und dann komm mal vielleicht auch nochmal zu deinem Part!

00:09:26: Naja es hat sich über die Jahre so eine Bei jedem von uns so eine gewisse Handschrift entwickelt und auch gewisse Vorlieben entwickelt.

00:09:36: Anfangs waren es ja Buchstaben, die uns verbunden haben.

00:09:41: Jeder hat sein Namen für sich gemalt

00:09:43: mit seiner Technik.

00:09:44: Das ist denn der berühmte Tecken?

00:09:45: Man hat einen Graffiti-Namen das ist das Tech oder der Tech.

00:09:50: also es gibt natürlich viele, die über die Jahre ihren eigenen Namen immer wieder gemalt haben.

00:09:57: ich glaube dass das bisschen die Philosophie von Graffiti ist, dass man seinen eigenen Namen pusht und der Welt da draußen zeigt – Hallo!

00:10:07: Ich existiere auch.

00:10:08: Das bin ich.

00:10:09: umso öfter man sein Name in der Stadt hinterlässt, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt man.

00:10:14: Um es in der Graffiti-Sprache zu sagen das so mehr Fame wird man auch.

00:10:19: Man erlangt eine gewisse Berühmtheit.

00:10:21: deswegen ja ist es so das Ding an der Graffitisene seine eigene Namen immer und immer wieder zu malen.

00:10:28: Würdest du sagen, ihr wart damals also mit dem Bedürfnis euch sozusagen der Welt mitzuteilen und zu sagen hey hier sind wir.

00:10:38: Und wir bleiben auch hier weil Graffiti sind schwer wegzukriegen egal wo man sie hin

00:10:44: macht.

00:10:45: wart ihr da so eine Gruppe halbstärker oder war von Anfang an die Idee dass das ne Nachhaltigkeit hat und dass ihr mehr wollt?

00:10:57: Also ich kann schon mal von mir sagen, ich war ein halb starker.

00:11:04: Aber wir waren jetzt keine Graffitiatzen oder so.

00:11:09: Ich glaube in den Neunzigern als wir in der Szene waren ging es noch sehr viel um Respekt und miteinander auskommen sich gegenseitig respektieren die Hierarchien der älteren Maler und der Jüngeren einzuhalten zu verstehen.

00:11:24: Es gibt ja unwahrscheinlich viele Regeln im Graffiti.

00:11:27: das ist Wahnsinn.

00:11:30: Ist das so was Achasches?

00:11:32: Naja, wenn du lange dabei bist dann hast du natürlich einen ganz anderen Stellenwert als jemand der noch nicht so lange dabei ist.

00:11:39: Oder jemand, der sehr viel und laut sein Namen pusht hat ein anderer Stellenwert.

00:11:45: also jemanden, der es nicht in dieser Deutlichkeit macht Jemand, der ganz viel illegal malt hat einen anderen Stellenwert als jemand, der nur unsichtbar an irgendwelchen Fabriken das macht.

00:12:01: Und so gab es damals eine Art Hierarchie.

00:12:07: Ich bin mir nicht sicher ob sie heute immer noch in dem Ausmaß gibt weil man ja viele Dinge auch durch Social Media gleich posten kann.

00:12:16: ohne dass man diesen Graffiti auf der Straße begegnen muss kann man es trotzdem sehen bei Instagram und Co.

00:12:27: Ah, okay!

00:12:28: Und da warst du quasi Teil dieser Hierarchie?

00:12:30: Und bist dann da aufgestiegen oder ihr zusammen?

00:12:34: Das kann ich gar nicht so sagen aber mit Sicherheit... Wenn man sich überlegt in den Frühen neunzigern haben wir angefangen, haben uns dann zu einer ziemlich kreativen Graffiti-Co entwickelt die sich nicht nur an die typischen Technikregeln halten wollte, sondern sich auch immer mehr geöffnet hat anderen Techniken gegenüber und einer anderen Formsprache gegenüber.

00:13:07: Denke schon dass wir eine gute Entwicklung hinter uns haben.

00:13:13: Wie die Szene das jetzt aufgegriffen hat kann ich gar nicht so sagen.

00:13:17: Natürlich ist es erst mal befremdlich wenn da jemand Nicht mehr mit einer Sprühdose steht sondern mit einem Pinsel.

00:13:23: Das wirkt jetzt Erst mal wie ein kleiner Regelbruch, aber für uns war das Ausprobieren von neuen Techniken total wichtig.

00:13:33: Wenn man mit seiner einen Technik die Sprühdose irgendwann an eine Grenze kommt was will man denn da noch machen?

00:13:42: Also dann ist die logische Schlussfolgerung dass man sich ne neue Technik vielleicht sucht

00:13:50: Das war der Pinsel zum Beispiel

00:13:52: Klingt jetzt sehr, sehr einfach.

00:13:54: Weil wir auch als Kinder schon in Pinsel in der Hand halten im Kindergarten oder in der Schule.

00:14:01: Diese Sprühdose hat ja etwas Rebellisches und davon auf einmal wieder weg zu gehen war schon ein krasser Sprung.

00:14:11: aber der Pinsel hat uns wieder neue Möglichkeiten eröffnet.

00:14:16: Was sind da noch für Techniken eingeflossen?

00:14:19: Jeder hat sein Namen gemalt Die Hintergründe, die Backgrounds wurden dann quasi gemeinsam einheitlich gestaltet.

00:14:28: Es hat sich dann dahingehend entwickelt dass die Buchstaben immer mehr in den Hintergrund getreten sind und man an einer Konzeptwand irgendwann nur noch gearbeitet hat.

00:14:39: also die Buchstarben lösen sich immer mehr auf in etwas Abstraktes Und man erkennt heute noch unsere Graffiti-Herkunft.

00:14:50: Der Schwung aus dem ganzen Körper, aus dem Handgelenk – das wohnt immer noch bei jedem von uns drin.

00:14:57: Also sowas schweißt ja auch so eine Gruppe zusammen wenn du ganz genau weißt wer macht was?

00:15:01: Weil es ist ja auch bei der Entstehung von einem Kunstwerk auch wichtig, wer hat welche Aufgabe?

00:15:09: Natürlich gibt's die, die keine Angst vor der weißen Wand haben und dann erstmal so ganz frei und rotzfrech eine erste Ebene schaffen.

00:15:20: Und dann gibt es die anderen von uns, die erstmal das Ganze beobachten und immer mehr hineintauchen aus der Beobachtungsposition.

00:15:32: Das ist ja auch das Schöne bei uns dass wir uns gegenseitig so viel Freiräume lassen, dass jeder zu jedem Zeitpunkt eingreifen kann sich rausnehmen kann setzen lassen kann wie so ein Spiel, wo es eigentlich gar keine Regeln gibt.

00:15:52: Die Regel ist vielleicht auch so das Ende der Wand?

00:15:55: Also wenn's einen Ende der Wand gibt dann brechen wir die Wand auf und das haben wir auch gemacht.

00:16:02: also jahrelang haben wir quasi im zweidimensionalen Bereich die Wände bemalt und Wandmalereien erschaffen.

00:16:12: Also parallel zu Wandmalerei sind wir auch im öffentlichen Raum immer sehr neugierig unterwegs.

00:16:23: Als Kollektiv, was die Straße als Spielplatz für sich hatte und auch als Atelier- und Präsentationsraum gehen wir immer noch mit ganz neugeringen Augen durch die Straße.

00:16:35: Und da liegen natürlich an den Straßenrennern auf Baustellen total viele interessante Gegenstände um Altesholz alte Metallrohre, alte Gitter.

00:16:46: Und irgendwie konnten wir da nicht dran vorbeigehen und haben das Zeug einfach mitgenommen ins Atelier und versucht daraus Irmas zu bauen.

00:16:58: Das war für uns total spannend.

00:17:00: diese Materialien in unsere Wandmalereien zu integrieren und sogenannte Collagen oder Assemblagen zu erstellen.

00:17:10: So hat sich dann ein Relief an der Wand gebildet ist natürlich der nächste Schritt zu versuchen, wie kann man das von der Wand in den Raum bringen.

00:17:22: Das sind bei uns einfach große Installationen die schon eine Größe haben dass wir uns zusext auch wohlfühlen und ich sag mal so ganz banal ordentlich auch zu tun haben.

00:17:39: Und meistens es ist so, dass jemand von uns anfängt Christian nimmt eine Holzlatte, schraubt die irgendwo gegen die Wand.

00:17:50: Dann sieht der nächste von uns da schon wieder eine Inspiration, holten riesengroßen Leinwandstofffetzen vor, tackert den daneben oder dagegen.

00:18:01: und so entsteht nach und nach im Spiel die Kunst- und die Auseinandersetzung mit den Materialien.

00:18:12: Wie sieht denn die Arbeit aus, wenn ihr zum Beispiel einen Auftrag habt?

00:18:16: Also kann ich jetzt zu euch kommen und sagen macht an D&D Wand oder an Dundee Fläche oder an denen den Platz, an denen in den Ort etwas was XY symbolisiert.

00:18:31: Oder wird das konkreter formuliert?

00:18:37: Mit Club Sieben machen wir sowas nicht.

00:18:41: Club Sieben ist für uns die reine künstlerische Auseinandersetzung, ohne dass es Vorgaben gibt.

00:18:49: Es gibt immer Richtlinien.

00:18:53: Wir haben dieses Jahr im Kunstverein Hannover ein großes Projekt gehabt zu einer Gruppenausstellung in den riesengroßen herrlichen Räumen des Kunstvereins Hannover.

00:19:04: Liebe Grüße an dieser Stelle!

00:19:06: Die Ausstellung lief zu dem Thema Post-Vandalism Und Post-Venylism ist halt sehr stark an den urbanen Raum geknüpft.

00:19:16: Bei uns ist es so, dass wir mit den gesammelten Elementen die sich ja hier schon zu einer Bibliothek oder Materialesammlung im Atelier zusammengestellt haben in den letzten Jahren daraus... Bauen wir Installationen, unter anderem mit Holzlatten.

00:19:36: Mit Baustellengerüsten.

00:19:38: Mit Baunetzen und mit Bauplan.

00:19:44: Ausgesägte Holzelemente.

00:19:48: Alles was uns beim Spielen mit dem Material Spaß macht und was aber auch eine gewisse Herkunft von uns zeigt.

00:19:58: Und da sind wir eigentlich ständig aufmerksam und sammeln Materialen von der Stadt aus den Straßen heraus.

00:20:10: Wir klauen nichts, das muss ich jetzt an dieser Stelle mal sagen.

00:20:13: was so herrenlos aussieht in einer Ecke liegt kann schon sein dass wir das mitnehmen oder ganz große Sperrholzberge.

00:20:23: Dass wir uns da einfach bedienen.

00:20:25: Uns die alten Materialien die weggeworfen wurden zu eigen machen und daraus wieder was Neues erschaffen.

00:20:32: Wir sind ja seitdem wir fertig mit der Uni, sind auf zwei Städte verteilt.

00:20:38: Die eine Hälfte wohnt in Berlin die andere in Halle.

00:20:41: so und damit wir auch im Training bleiben müssen wir natürlich uns öfter treffen Und das passiert mindestens einmal im Monat bei unserem Club Sieben Lab Wo einfach neue Ideen in den Raum geschmissen werden wo wir kreativ ins arbeiten kommen und neue Dinge ausprobieren oder auch nicht.

00:21:00: Es gibt eigentlich gar keine Regel.

00:21:03: Meistens ist es aber so, dass wir das nutzen und von uns auch über einen gewissen Tellerrand gucken wollen.

00:21:10: Es geht ja auch bei uns niemanden der das irgendwie wertet oder so.

00:21:14: also ich kann da ankommen mit einem Sack Zement und dann heißt es so Leute tut mir übers Leid aber ich habe tierisch Bock da jetzt irgendwas draus zu machen.

00:21:24: naja dann mach mal und dann gucken wir wie sich das dann integriert.

00:21:28: Das mit dem Zement, das war jetzt nur ein Beispiel.

00:21:30: Ich bin ja noch nie mit Zement reingelaufen aber es ist theoretisch alles möglich.

00:21:36: und dann ist er die Spannung über seinen eigenen Schatten zu springen und seine eigenen Vorstellungen, die man so hat, zuspringen und sich auf das einzulassen was die Gruppe so liefert.

00:21:49: Und auf der einen Seite klingt das vielleicht ein bisschen einschränkend Auf der anderen Seite breche ich aber aus meiner eigenen Logik heraus.

00:21:58: Es öffnet für mich eine Tür, die ich niemals aufgemacht hätte.

00:22:04: Alleine?

00:22:05: Die ich nie mal alleine aufgemachte hatte.

00:22:07: und da geht man durch und entdeckt ein riesengroßes Schlaraffenland und neue Handlungen, auf die man alleine auch nicht gekommen wäre.

00:22:16: Um es bildlich zu sagen ist es wahrscheinlich so dass wir uns einen Ball immer gegenseitig hin- und herwerfen.

00:22:24: Und je nachdem wo der Ball ist Derjenige oder derjenige von uns macht so den nächsten Arbeitsschritt.

00:22:30: Es passiert natürlich auch sehr viel parallel, aber wir sind natürlich sehr viel damit beschäftigt zu beobachten und uns darauf einzulassen.

00:22:40: was macht das mit mir?

00:22:41: Was ich da gerade sehe kann nicht anknüpfen stört mich etwas will Ich was wieder zurücknehmen.

00:22:48: Das klingt ja auch so ein bisschen nach einem ohne unterbrochen auch alleinander wachsen.

00:22:54: na klar Es entstehen ja auch ziemlich viele Reibungen.

00:22:59: Das hat schon eine Weile gedauert, bis man erkannt hat das Ego eher im Weg steht und es gar nicht darum geht so viel wie möglich sichtbares Material von sich mit einzubringen sondern dass er sich selbst als einer der vielen Schichten sieht auf die reagiert wurde.

00:23:23: Also auch wenn meine Linien, die ich am Anfang gemacht habe nicht mehr sichtbar sind... ...sind ja die Reaktion darauf immer sichtbaar.

00:23:32: Also vielleicht ist es auch die zweite Reaktionen darauf nicht versichtbar aber die dritte oder die vierte.

00:23:37: also es scheint immer durch und man geht auf die allererste Ebene geht man genauso ist man genauso eingegangen wie auf die dritten oder vierter oder zehnte Ebene.

00:23:46: Wir haben irgendwann uns angewöhnt uns dabei zu filmen wie wir die Kunst erstellen oder die Installation erstellen und die Wandmalerei, um auch dem Außen so ein Gefühl dafür zu geben.

00:24:01: Wie läuft eigentlich diese gemeinsame Arbeit ab?

00:24:05: Das ist krass!

00:24:05: Ich stelle mir das

00:24:06: wahnsinnig

00:24:08: kompliziert vor aber natürlich auch nach so vielen Jahren durch diese Gewohnheit als total intensiv vor... Also Irre, also sechs Leute da so unter einen Hut zu kriegen und da gemeinsam was zu gestalten.

00:24:22: Und dann am Ende zu sagen yo das ist es!

00:24:26: Das geht glaube ich so gut weil wir uns... naja wir waren keine Kinder mehr aber wir waren kurz vorher waren wir noch welche.

00:24:34: Das heißt unser halbes Leben lang kennen wir uns schon sind miteinander aufgewachsen können unsere Charaktere unsere Vorlieben unsere Schwächen.

00:24:42: Wir machen auch Reisen zusammen, unsere Kinder kennen sich.

00:24:45: Also es ist wie so eine Familie.

00:24:47: Versuch

00:24:47: einfach mal zu beschreiben was ich sehe wenn etwas entstanden ist was ihr gemacht habt gerade so vielleicht auch ne aktuelle Arbeit

00:24:56: Ich mach's mal bildlich irgendwas Fiktives ne?

00:24:59: wir nehmen jetzt mal eine Wandmalerei.

00:25:01: da stehen Farben auf die wir uns geeinigt haben.

00:25:06: Es gibt so gewisse Vorlieben für Farben.

00:25:08: Das sind so Pastelltöne, das sind aber auch sehr viel Blautöne und Lila.

00:25:12: Auch Lax!

00:25:14: Die Farben sind immer da.

00:25:15: die beschert uns auch so ein gewisses Grundvertrauen.

00:25:20: Ich würde jetzt sagen dass in unsere Club sieben Farben die prägen einfach so das farbliche Bild unserer Arbeit.

00:25:29: So würde ich euch erkennen oder so erkenne ich euch sozusagen

00:25:32: Mit Sicherheit.

00:25:34: Also wir sind sehr farbenfroh würde auch gar nicht anders gehen bei sechs Leuten, die alle Lust auf Farbe haben.

00:25:43: So und die Wand wird erstmal mit diesen Farben grundiert.

00:25:50: großflächig kleinflächigt das sind Flecken.

00:25:52: das können vielleicht schon Andeutungen von Figuren sein.

00:25:57: es kann sein dass an der Einstelle eine Figur angefangen wurde mit der Einfarbe an der nächsten Stelle wird die Weite gemalt, dazwischen ist ein Riesenabstrakt auf Freiraum aus Farbkomposition.

00:26:11: Da sind wir meistens alle schon mit dabei bei der ersten Ebene und dann ist es ein weicher Übergang in den nächsten Ebenen.

00:26:20: also es kristallisiert sich dann heraus in welche Richtung es so gehen könnte für manche von uns.

00:26:27: Man sieht in dem Farbverläufen im Farbübergang schon etwas, wo man tiefer rein möchte.

00:26:34: Dann kann es sein dass man sich in dünneren Pinsel im nächsten Schritt nimmt mehr auf den Untergrund eingeht indem man entweder eine abstrakte Geste macht die gegen die Farbfläche dagegen stellt oder die Fragmente der figurelichen Sachen versucht ein bisschen herauszuarbeiten.

00:26:56: dann kann es auch sein das jemand mit einer anderen Farbe auf einmal um die Ecke kommt und eine große Rolle.

00:27:04: Und wieder eine große Freifläche macht, etwas ich sage vorsichtig zerstört was man vorher gemalt hat, dass man sich irgendwie geeinigt hat und dadurch vielleicht eine neue Freiflächenschaft, die auch ne neue Tür bildet für etwas das darin jetzt neu passieren kann.

00:27:27: So verdichtet sich immer mehr immer mehr eine Art Welt in dem Ebene für Ebene übereinander gelagert wird.

00:27:38: Also es kommt etwas dazu, es wird was weggenommen und weggekratzt.

00:27:42: Es wird etwas drüber gesprüht oder abgerissen.

00:27:48: Und das ist ein ziemlich spielerischer intuitiver Prozess auf den dann... vielleicht noch eine Art gestalterischer Prozess folgt, wenn man gewisse Linien und gewisse Flächen noch mehr herausarbeiten möchte.

00:28:10: Es wird nicht eine Figur sein!

00:28:13: Es wird NICHT ein Motiv sein!

00:28:16: Ist es immer

00:28:16: ein Spiel

00:28:17: mit Farben?

00:28:18: Mit Elementen von der Straße?

00:28:20: Ein Spiel mit den Farben die ihr euch zu eigen gemacht

00:28:24: habt?!

00:28:26: Und immer dieser Prozess am, an dessen Ende dann was steht wie auch immer interpretiert werden kann.

00:28:34: Ja

00:28:36: so kann man das sagen.

00:28:38: und weil du sagst von der Straße also die Arbeitsweise weil wir eben aus der Urbanität kommen ist eben auch sehr schnell und sehr spontan.

00:28:48: deswegen verbringen wir Genau, deswegen laufen die Handgriffe sehr schnell und spontan einfach ab.

00:28:59: Sodass sich die Intuition frei entfalten kann.

00:29:03: Dass man den Kopf ausstellt, dass man seine Gestaltung ausställt, kommt viel später.

00:29:08: Erst mal muss man den Intellekt weglassen und intuitiv in die Arbeit reingehen.

00:29:14: Das heißt es kann sein das dauert nur eine Stunde?

00:29:17: Kann sein nach einer Stunde was fertig ist für uns wo wir sagen der Prozess dabei ziemlich spannend Okay, und dann werden Dokumentationsfotos gemacht.

00:29:30: Da kommt eine neue Farbe und wird was weggerollt oder das ganze Ding wird weggerollt.

00:29:35: Und da entsteht etwas Neues.

00:29:37: mit diesen Impuls und dieser Energie die erste Wand ausgelöst hat, entsteht dann die zweite.

00:29:47: Ich habe so ein bisschen das Gefühl... Also das was ich höre ist einer tiefere Ebene von Freundschaft.

00:29:55: Was bleibt?

00:29:56: Also was überhaupt ein Gespräch hinausgeht.

00:30:02: Die Kunst hilft uns ja auch, weil ich vorhin auch gesagt habe das eigene Ego mal abstellen und die anderen mal kommen lassen.

00:30:12: Das sind natürlich Schritte in der Kunst, die man auch in den Alltag mit integrieren kann oder den wir auch in dem Alltag integriern, dass wir uns gegenseitig zu sechst auch zuhören und das auch nicht nur in unserem Freundeskreis, sondern auch out of the box also in der Gesellschaft.

00:30:32: Da finde ich schon dass Club Sieben ein gutes Sozialtraining für mich die letzten Jahre war.

00:30:38: mit dem Respekt und mit der Sensibilität auf die Leute auf mich zugehen gehe ich dann quasi auch auf die leute zurück Und das habe Ich würde sagen zum großen Teil auch Club sieben zu verdanken und dieser ständigen Auseinandersetzung mit meinen fünf Freunden.

00:31:01: Wie fühlst du dich nach so einem Prozess?

00:31:04: Na, total euphorisiert ist meistens so.

00:31:08: Im Prozess selbst bin ich oft in verschiedenen Gefühlswelten entweder das Float für mich oder das Flood überhaupt nicht.

00:31:17: aber dann habe ich trotzdem das Vertrauen dass irgendeine nächste Ebene wieder zu mir spricht und ich wieder ins Spiel komme.

00:31:25: Am Ende haben wir gemeinsam wieder eine Sache zusammengemacht, die uns wieder ein Schritt mehr zusammenschweißt.

00:31:35: Und natürlich bin ich da voller positiver Energie und ganz voller Liebe.

00:31:43: Wenn ich jetzt nach Mike okay frage bist du da auch alleine?

00:31:47: Also man sieht auch Arbeiten von dir hier.

00:31:51: Sind das dann eher so Skizzen und ist es das Warten auf deine Freundheit oder kannst du auch alleine gut arbeiten?

00:32:00: Es gab ein Schlüsselerlebnis, im Jahr zwei Tausend, vierzehnt, fünfzehn.

00:32:07: Da haben wir eine Klubsiemausstellung gemacht ohne einen Gemeinschaftswerk in den Vordergrund zu stellen.

00:32:18: Das gab's auch!

00:32:20: Aber es ging eher darum zu zeigen, wie sieht das dann eigentlich aus wenn alle von uns alleine arbeiten erstellen?

00:32:31: Und das hat sich für einige von uns ziemlich gut angefühlt.

00:32:39: Nach so vier Jahren Gemeinschaftsarbeit haben wir uns glaube ich gefreut auch mal alleine zu arbeiten und das ist auf jeden Fall bei mir und beim paar anderen von uns auch hängen geblieben.

00:32:54: Daraus haben sich Künstler, also Solo-Karrieren entwickelt die aber trotzdem... sich gegenseitig befruchten.

00:33:03: Also die Gemeinschaftsarbeit befruchtet trotzdem auch die Solo- Karriere und umgedreht.

00:33:10: Die Erfahrungen, die ich alleine für mich mache, die bringe natürlich auch ins Kollektiv mit ein und umgetreten genauso.

00:33:18: Bei Club Siem ist es für mich aber eher so dass mich gar keine Regeln unterwerfen möchte, da bin ich komplett frei.

00:33:30: Bei meinen eigenen Arbeiten habe ich schon Lust in eine gewisse Richtung zu gehen und möchte mir vorher auch Rahmenbedingungen setzen an denen ich mich so ein bisschen abarbeite.

00:33:42: also das kann jetzt ne bestimmte Technik sein es kann jetzt eine bestimmte Farbpalette sein oder gewisse inhaltliche Themen, die ich für mich behandeln möchte.

00:33:57: Die mich bei der Gruppenarbeit gar nicht so interessieren.

00:34:02: Was sind das für Inhalte?

00:34:05: In meinen Arbeiten setze ich mich sehr doll mit Erinnerungen auseinander – mit meinem eigenen persönlichen Erinnerung an meine Kindheit und an meine Jugend im Wiedervereinigten Deutschland.

00:34:15: Das waren so sehr prägende Jahre.

00:34:16: für Details davon erinnere ich mich sehr, sehr gerne wieder.

00:34:24: Und Porträtiere, Spielzeuge, Ikonen aus neunziger Jahre Serien schreibe Zitate nieder aus Songtexten die mich damals berührt haben und komme dadurch mit Leuten aus meiner Generation auch ins Gespräch und quasi öffne Erinnerungstüren Worauf dann meistens ein Gespräch folgt?

00:34:53: Das möchte ich jetzt schon mal ein bisschen konkreter haben.

00:34:56: Also, ich hatte jetzt... Berätest du von Fernsehserien?

00:34:59: oder was meinst

00:35:00: du?

00:35:00: Was wir damals empfangen konnten also Ende der achtziger Jahre lief er dann.

00:35:06: das kann man ja jetzt so sagen.

00:35:07: Wir haben ja heimlich ZDF auch geguckt.

00:35:10: in Halle haben wir das Empfang und da kam Nitrider das A-Team.

00:35:15: das kam schon vor der Wende Aber ich habe auch meine ganzen Holz- und Blechspiersachen aus dem Kinderzimmer porträtiert.

00:35:22: Die waren jahrelang meine Begleiter im Kinderzimmern.

00:35:26: Ja, ich hatte so ein Blechferrari der ist so groß wie einen Schuhkarton ungefähr.

00:35:33: Der hat auf ganz viele Leinwände geschafft in unterschiedlichen Varianten.

00:35:38: Ich hatte auch kleine Kunststoff-Zofiguren Und ich hatte auch Ritterfiguren und kann mich noch erinnern, die sind ein Ritter.

00:35:51: Der hatte keinen Pferd.

00:35:52: den habe ich dann auf einen Löwen gesetzt.

00:35:55: Die Figuren habe ich immer noch.

00:35:57: Die haben es auch auf mehrere Leinwände geschafft.

00:35:59: Also genau Das untermale ich gerne mit Zitaten aus dieser Zeit.

00:36:07: Ich war unglaublich krasser David Hasselhoff und Scorpions Fan.

00:36:12: Für mich.

00:36:13: David Hasselhoff in dieser Zeit eine Ikone, der hat in seine Uhr gesprochen und dadurch mit seinem Auto kommuniziert.

00:36:23: Und er hat Menschen aus dem Meer gerettet mit seiner roten Boje oder mit seinem Rettungsring bei Baywatch.

00:36:33: Und er hat Lieder gesungen, I've been looking for freedom und alles in so einer Zeit wo dann auch die Wende so geballt war.

00:36:41: Man auch vom Volk eine Energie gespürte Veränderung.

00:36:47: Dann hat er uns die Wände beschert der gute David.

00:36:50: Ich war sein größter Fan.

00:36:51: Sehr cool!

00:36:52: I've Been Looking For Freedom.

00:36:54: das ist dann da gelandet als...

00:36:56: Unter anderem, also ja ich habe ziemlich viele Zitate von David Hasselhoff in meiner Arbeit eingeflochten.

00:37:04: Aber auch ...

00:37:06: Wind of Change.

00:37:08: Sind das die Skorpions?

00:37:09: Ne!

00:37:09: Wind Of Change, genau.

00:37:12: Was meine Figuren dich im Fernsehen so mochte, so vereint ist dass sie Leuten geholfen haben, die in Not waren und die Bösewichte wurden dann in die Flucht geschlagen.

00:37:26: Das war bei Ateam so, das war bei Michael Knight so oder das war beim Sechs-Mühlen-Dollermann so bei Kulzivas.

00:37:32: Bei Hart aber herzlich.

00:37:34: Jonathan und Jennifer Hart.

00:37:37: Und dann sitzt man da als zehn bis dreizehnjähriger, obwohl die Eltern das nicht wollen vom Fernseher zum Teil auch Samstag vormittags oder früh wenn sie noch geschlafen haben habe ich mir mein Wecker gestellt auf um fünf weil das Kinderprogramm auf RTL oder Sat.Eins, oder Tele-Fünf angefangen und dann war ich eine richtig kleine Fernseheule.

00:38:02: also... Das was sich jetzt immer kritisieren würde auch bei meiner eigenen Erziehung oder bei der Erziehungen meiner Kinder habe ich damals selbst komplett durchlebt und hatte fähige Augen.

00:38:16: Und das sind aber alles so wunderbare Erinnerungen die ich dann quasi den nicht Meine Arbeit wird mir.

00:38:26: Am Ende ist das quasi die Aneignung von Skills?

00:38:30: MacGyver fällt mir da noch ein, die Aeneignung der Skills.

00:38:34: Ja vielleicht zum einen, zum anderen spüre ich so eine Freude in mir wenn ich daran zurückdenke und dieses positive Gefühl kommt immer wieder auf wenn ich diese Zitate benutze und neu in meine Arbeiten rein flechte.

00:38:50: Ich glaube... Mir geht es ganz doll um dieses Gefühl, dass ich das transportieren möchte.

00:38:56: Erst mal für mich und dann ist natürlich ein positiver Beigeschmack, dass sich ganz viele Leute damit ansprechen und wir dann dadurch in so einem Gedankenkarussell geraten wenn wir uns darüber unterhalten ach kennst du noch diese Serie?

00:39:11: Und der Soundtrack dazu Genau!

00:39:14: Dann geht mir das Herz auf weil Ich mich da sehe als kleiner Mike Der heimlich vor der Glotze saß oder auch unter der Bethike heimlich noch Kassettenrekorder gehört hat, eigentlich ins Bett sollte und diese Sachen da verschlungen hat.

00:39:32: Wir haben uns ja heute für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt zusammengesetzt um gemeinsam über etwas zu reden was ihr in der Leopoldina vor der Leopoldina gestaltet.

00:39:45: Worum geht es denn da?

00:39:46: Die Kunststriftung ist an uns herangetragen und hat gefragt, ob wir uns vorstellen können bei der Jahresversammlung der Leopoldina, in dem sie im Jahr auch ein Kunstwerk hinterlassen kann.

00:40:00: Wir haben uns den Garten der Leopoldiner herausgepickt.

00:40:05: Das hat sich so ergeben.

00:40:06: Bei der Begehung dieses Gebäudes ist es ziemlich schnell klar geworden dass der Garten irgendwie zu uns spricht.

00:40:15: Und wir haben uns überlegt eine Großinstallation zu bauen im Eingangsbereich, von der ausgehend noch an zwei anderen Orten im Garten kleine Satelliten-Installation stehen.

00:40:28: Die sich nicht unbedingt anfühlen wie die große Installation ins Kleineskaliert sondern schon wie eigenständige weitere Installationen die aber Farben und Elemente der Hauptinstallation mit tragen.

00:40:49: Aber wo Kunst?

00:40:51: Die Kunststiftung hatte ich schon mal unterstützt, mit der hast du schon öfter mal was zu tun gehabt, was verbindest du mit der Kunststiflung?

00:40:58: Ich hatte mindestens zwei Stipendien bei der Kunst-Stiftung als Einzelkünstler.

00:41:04: Meine Freunde Krischi und Ingo hatten auch schon Stipedien bei einer Kunststriftung.

00:41:09: Wir haben hier mit diesem Raum, mit unserem Atelier eine Förderung erhalten um temporäre Ausstellungen mit anderen Künstlerinnen stattfinden zu lassen.

00:41:22: Insofern kennt die Kunststiftung uns eigentlich auch schon und hat uns glaube ich auch über Jahre auf dem Schirm, was wir so machen.

00:41:30: wer wir sind vor allem dass wir kollektiv arbeiten und deswegen denke ich auch das sie uns gefragt haben ob wir uns das Projekt vorstellen können an der Leopoldina

00:41:43: Diese Kollektivarbeit, die in den neunziger Jahren entstanden ist.

00:41:47: Ich habe das Gefühl, dass es jetzt gerade irgendwie total trendy war.

00:41:50: Hat er da Vorreiter?

00:41:52: Ob ich Vorreter bin kann ich gar nicht so sagen aber wir waren in der Zeit aktiv als wir selber auch gemerkt haben hier bricht grade eine große Welle los.

00:42:05: Das war im Graffiti So und das war dann auch bei der Street Art so in der wir uns auch total spannend auch wiedergefunden haben.

00:42:14: Also weil ich ja auch Eingangs erzählt habe, dass wir von der Dose zum Pinsel zu den nächsten Materialien und das sind ja Regelbrüche in der Graffiti-Szene die uns aber die Street Art ermöglicht hat.

00:42:31: da durfte man dann mit Farbepinsel mit Papier mit Kleister mit verschiedensten Techniken an die Wand gehen Und die Street Art Szene in den Ende der neunziger Anfang, der zweitausender Jahre im Berlin war natürlich am Boom.

00:42:49: Es hat total Spaß gemacht.

00:42:51: überall gab es Straßenkunst und wir waren auch Teil davon.

00:42:55: Wir sind das heute noch nicht mehr in dem Maße wie damals auch nicht illegal in den Straßen aber wir arbeiten trotzdem mit Elementen der Straße benutzen auch Räume mit einer besonderen Feinfühligkeit, also Räumen in der unsere Kunst entstehen soll.

00:43:21: Die observieren wir ganz genau und gucken wie können wir hier eine spannende Arbeit verrichten?

00:43:33: Wo kann man euch denn überall sehen?

00:43:35: wenn ich jetzt gerne Club sieben Arbeiten sehen möchte

00:43:39: wo

00:43:40: finde ich was?

00:43:41: Ich sag?

00:43:42: mal bei Instagram.

00:43:45: Das ist die moderne Street Art, da öffne ich mein Telefon so für Media.

00:43:49: So

00:43:49: ist es ne?

00:43:51: Dadurch dass wir sehr viele temporäre Projekte machen, ist es wirklich schwierig jetzt den einen Ort zu nennen oder die Orte zu nenne denn oft existieren die Kunstwerke nur für ein gewissen Zeitraum und dann werden sie wieder demontiert Und sind wirklich nur noch in der Dokumentation dann einsehbar?

00:44:15: Sehe ich euch noch an der Wand, an der ihr euch kennengelernt habt.

00:44:20: Da waren wir schon lange nicht mehr.

00:44:22: das sollten wir mal wieder einen Angriff nehmen im Halle Neustadt.

00:44:27: Dann habe ich eine letzte Frage.

00:44:29: wenn du dir vorstellst also für dich jetzt als Mike okay und natürlich auch für den Club sieben Wenn es ein Projekt gäbe, von dem du träumst.

00:44:43: Was wäre das?

00:44:45: Was würdest du gerne nochmal realisieren?

00:44:48: Allein oder zusammen?

00:44:54: Alleine habe ich gar nicht so den Wunsch.

00:44:56: da geht's mir wirklich darum mit mir und meiner Leinwand im Atelier zu sein.

00:45:01: Mit meinem selber in einen Gedankenaustausch zu treten.

00:45:05: Mit Klub sieben habe ich meistens immer Lust Dinge zu machen die wir noch nicht gemacht haben.

00:45:12: Dadurch, dass wir schon sehr viel gemacht haben, liegt bei uns immer eine große Spannung darin die Dinge zu vergrößern.

00:45:23: Das klingt jetzt banal aber man baut ne fünf Meter hohe Installation beim nächsten mal baut meine zehn Meter hohen Installation so nach dem Motto.

00:45:32: Du brauchst du dann rauschauen irgendwie einen Kran oder?

00:45:35: Zum Thema Größe hatten wir in Tel Aviv im städtischen Museum der Stadt Eine Ausstellung, in der es darum ging Kollektive zu zeigen.

00:45:48: Es sollte quasi eine Ausstellung Serie werden.

00:45:50: Wir waren das erste Kollektiv, was eingeladen wurde um dort quasi ja eine Gruppenarbeit auf zwei Etagen oder zweieinhalb Etagen zu zeigen.

00:46:03: man kann sich den Raum so vorstellen.

00:46:05: er war oder ist immer noch wie ein altes Kaufhaus mit einem Lichthof in der Mitte Kreis rum, die Wände, die wir bemalt haben.

00:46:13: Und in den Lichthof haben wir eine zehn Meter hohe Installation gestellt, die zum Teil aus gesammelten Materialien aus den Straßenteller-Weeves zusammengebaut wurde.

00:46:25: Ich glaube, das ist auch temporär.

00:46:28: Es war ne Ausstellungsserie zwei Monate oder ein halbes Jahr.

00:46:32: nach uns kam dann das nächste Kollektiv und hat den Raum wieder neu gestaltet.

00:46:39: um nochmal auf meine Frage zurückzukommen.

00:46:41: Das heißt also, Think Big ist schon auch eine Idee die du hast doch mal ganz groß zu werden oder größer zu werden eher zusammen.

00:46:51: Naja es ist so ne Herausforderung.

00:46:53: wie will man wachsen?

00:46:55: Wir haben ja schon diese Kommunikation die wir über die Jahre entwickelt haben die so sehr sensibel und respektvoll abläuft.

00:47:04: Wir sind jetzt alle Mitte vierzig.

00:47:07: Ich mache mir schon noch Gedanken, wie lange kann ich jetzt auf einem dreißigstöckiges Hochhaus das Gerüst hoch klettern?

00:47:16: Wie lange schaffe ich es noch in dem Steiger irgendwelche hohen Wände zu bemalen oder krasse Gerüste und Installationen zu bauen.

00:47:26: Und insofern ist einfach nur mein Wunsch dass ich das noch lange mit Klubsi mache ganz große Projekte noch umgesetzt werden können.

00:47:43: Aber natürlich geht es auch für uns im Kleinen, also uns ist wirklich wichtig so der Zusammenschluss von uns fünf oder von uns sechs, dass wir eigentlich uns eine ganze Weile noch so

00:47:56: haben.".

00:47:58: sehr, sehr schöner Wunsch.

00:48:00: Mike okay danke für dieses Gespräch.

00:48:03: ihr seid zu finden auf Instagram oder jederzeit auch überall ansprechbar wo man auch immer euch kennt und sieht und ja entweder alleine oder eben in der Gruppe.

00:48:14: dann dank ich dir sehr herzlich für das Gespräch.

00:48:17: Ja ich danke auch.

Über diesen Podcast

„NEU WERK“ – der Podcast der Kunststiftung geht an den Start! Der Name meint nicht nur die Adresse Neuwerk 11 – Sitz der Stiftung –, sondern die Frage, wie eigentlich Neues entstehen kann und was es dazu braucht. Vor allem aber geht es um eines: Kunst, Kunst, Kunst! Was macht sie mit uns? Was macht sie mit den Künstlerinnen und Künstlern selbst? Wie kommen sie überhaupt dazu, was treibt sie an, was inspiriert sie, was lässt sie nicht schlafen? Und was bedeutet ihnen die Arbeit jenseits der Metropolen? Künstlerinnen und Künstler erzählen im Interview über ihre Arbeit, vor allem aber über ihr Leben – regelmäßig in unserem Podcast.

von und mit Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

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